Lupine Pflanze
Wer Lupine hört, denkt an die bunten Stauden im Garten. Blau, rosa, weiß, gelb, die imposanten Blütenkerzen, die im Juni Bauerngärten und Straßenränder schmücken. Aber genau diese Pflanze ist giftig. Und genau hier beginnt ein Missverständnis, das Linda Kelly auf jeder Hofführung, bei jeder Verkostung und in jedem Gespräch ausräumen muss.
„Die sind nämlich giftig und haben Bitterstoffe, die sogenannten Alkaloide“, erklärt die Bio-Landwirtin vom Biolandhof Kelly am Bodensee. „Das haben unsere gezüchteten Süßlupinen nicht.“ Die Lupine als Pflanze gibt es in über 200 Arten. Aber nur die gezüchteten Süßlupinen sind für den Menschen essbar. Der Unterschied kann lebensrettend sein.
Gartenlupine vs. Süßlupine
Die Gartenlupine, botanisch meist Lupinus polyphyllus, ist eine mehrjährige Staude, die als Zierpflanze in Parks und Gärten wächst. Ihre Samen enthalten Alkaloide in Konzentrationen, die Vergiftungssymptome auslösen können. Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen. Kinder, die die bunten Samen in den Mund stecken, landen im schlimmsten Fall in der Notaufnahme.
Die Süßlupine hingegen wurde über Jahrzehnte gezüchtet, um genau diese Bitterstoffe zu eliminieren. Der Alkaloidgehalt liegt unter 0,05 Prozent. Damit ist sie sicher für den menschlichen und tierischen Verzehr. Linda Kelly baut die Blaue Süßlupine an, eine einjährige Art, die im Frühjahr gesät wird und im August erntereife Samen liefert.
Optisch unterscheiden sich die beiden deutlich. Die Gartenlupine blüht üppig in kräftigen Farben. Die Süßlupine blüht „relativ schlicht, recht unspektakulär im schlichten Weiß“, wie Linda Kelly es beschreibt. „Und natürlich nicht so üppig wie die Lupine, die man aus dem Garten kennt.“ Die hübsche Schwester ist giftig, die unscheinbare essbar. So ist das manchmal.
Was die Süßlupine als Pflanze besonders macht
Über die Nährwerte der Lupinensamen wird viel geschrieben. Aber auch die Pflanze selbst kann einiges. Als Leguminose besitzt sie Knöllchenbakterien an den Wurzeln, die Luftstickstoff binden und im Boden anreichern. „Die Lupine ist eine absolute Superkultur“, sagt Linda Kelly. Sie verbessert den Boden, auf dem sie wächst, und hinterlässt Stickstoff für die nächste Kultur.
Die Pfahlwurzel der Lupine dringt tief in den Boden ein und lockert verdichtete Schichten auf. Nährstoffe, die für andere Kulturen unerreichbar sind, werden nach oben geholt. Nach der Ernte verrotten die Wurzelreste und hinterlassen Kanäle für Wasser und Luft.
Für Insekten ist die Lupine als Pflanze ebenfalls relevant. Die Blüten bieten Nektar und Pollen. Bienen und Hummeln besuchen die Felder, auch wenn die Blüten der Süßlupine nicht so auffällig sind wie die der Gartenvariante. Auf dem Biolandhof Kelly wird ohne Insektizide gewirtschaftet, was die Lupine doppelt wertvoll für Bestäuber macht.
Anbau in Deutschland
Die Süßlupine wird in Deutschland noch auf relativ kleinen Flächen angebaut. Linda Kelly bewirtschaftet zehn Hektar auf ihrem Biolandhof, was für einen Familienbetrieb bereits viel ist. Die Aussaat im Frühjahr verlangt gut vorbereitete Böden und das richtige Timing. Die Ernte im August hängt vom Wetter ab. Trockenheit, Hagel, Nässe, alles kann die Ernte gefährden.
Regional statt importiert
Das Potenzial der Lupine als Pflanze für die deutsche Landwirtschaft ist groß. Als regionale Eiweißquelle könnte die Süßlupine importiertes Soja ersetzen. Linda Kellys Slogan bringt es auf den Punkt: „Soja-Näh-Lupinen.“ Aber dafür muss die Lupine als Pflanze erst einmal bekannter werden. Und der erste Schritt ist, den Unterschied zwischen der giftigen und der essbaren zu kennen.
Mehr über Linda Kelly und ihre Süßlupinen im pekuu audiostories Podcast.
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