Im Brandstore Lindau steht der SeeGin im bauchigen Copa-Glas auf dem Tresen, mit großem Eiswürfel, Wacholderbeere als Garnitur. Daneben, zum Vergleich, ein zweites Glas, klein, gerade, der klassische Tumbler. Wer am Copa riecht, kriegt zürst Wacholder in die Nase, dann Zitronengras, dann den Mittelteil aus den fünf geheimen Botanicals. Beim Tumbler ist das Aroma flacher. Gleicher Gin, gleiches Tonic, gleiches Mischungsverhältnis. Es ist nur das Glas, das den Unterschied macht.
Der Tumbler
Klassisches Glas für Spirituosen, gerade, kurz, oft schwer am Boden. In ihm wurde Gin Tonic über Jahrzehnte serviert.
Vorteile: Stabil, einfach zu reinigen, passt in jede Hand. Verbraucht weniger Platz auf der Bar. Braucht weniger Eis für ein volles Glas.
Nachteile: Die Aromen entweichen schneller. Bauch und Öffnung sind gleich breit, sodass die flüchtigen Aromen oben nicht gesammelt werden. Wer im Tumbler einen aromatisch komplexen Gin trinkt, riecht weniger als im Copa.
Wann er sich lohnt: Bei einfacheren Gins oder bei einem Setting, bei dem das Glas robust sein soll (Garten, Strand, Veranstaltung).
Der Copa de Balon
Bauchige Form, oben verengter Rand, langer Stiel. Original aus dem spanischen Gin-Boom der 2010er Jahre.
Vorteile: Sammelt die Aromen oben. Der verengte Rand konzentriert die flüchtigen Aroma-Komponenten am Glasrand, sodass die Nase sie beim Trinken voll abbekommt. Bei einem SeeGin mit acht Botanicals macht das einen deutlichen Unterschied.
Der lange Stiel hat einen praktischen Grund: Die Hand erwärmt das Glas nicht. Wer den Tumbler in der Hand hält, bringt Körperwärme an den Inhalt, der Drink erwärmt sich schneller. Beim Copa hält man am Stiel, der Drink bleibt kalt.
Nachteile: Empfindlicher, braucht mehr Eis für ein volles Glas, nimmt mehr Platz weg. Im robusten Setting weniger geeignet.
Wann er sich lohnt: Wenn die Aromen des Gins zur Geltung kommen sollen. Bei einem London Dry Gin mit Wacholder-Präsenz wie dem SeeGin ist der Copa erste Wahl.
Der Highball
Schmal, hoch, schlank. Eher für Whisky Highball oder Mojito gedacht, aber funktioniert auch für Gin Tonic.
Vorteile: Schlanke Form, sieht elegant aus. Bringt das Tonic in eine hohe Säule, die Kohlensäure perlt entlang des Glases.
Nachteile: Die Aromen entweichen nach oben hin verloren, kein Aroma-Sammeln. Eher für Drinks geeignet, bei denen die Aroma-Erfahrung weniger wichtig ist.
Beim Gin Tonic ist der Highball machbar, aber nicht ideal. Wer Aroma will, sollte zum Copa greifen.
Was die Form aromatisch macht
Aromen aus dem Glas wandern nach oben, weil sie meist leichter als Luft sind oder weil die Kohlensäure sie nach oben transportiert. Eine bauchige Form mit verengter Öffnung sammelt diese Aromen am Glasrand. Wer den Kopf etwas senkt und durch die Nase einatmet, riecht das ganze Aroma-Bouquet.
Beim SeeGin ist das Aroma-Bouquet komplex. Wacholder vorne, Zitronengras und Melisse hell, dazu die fünf geheimen Botanicals im Mittelteil. Im Tumbler entgeht ein Teil dieser Komplexität. Im Copa kommt sie an die Nase.
Der Eis-Effekt im Glas
Verschiedene Gläser nehmen verschiedene Eismengen auf. Beim Copa passen oft sechs bis acht große Eiswürfel oder mehrere Spheren rein, das Glas ist trotzdem nicht voll. Beim Tumbler reichen drei oder vier Würfel.
Mehr Eis im Glas bedeutet langsameres Schmelzen, weil das Eis sich gegenseitig kalt hält. Wer einen Gin Tonic über zwanzig Minuten trinkt, profitiert vom Copa mit viel Eis. Wer schnell trinkt, hat im Tumbler weniger Verwässerungs-Effekt, weil weniger Eis überhaupt schmilzt.
Die Wahl der Bar
Im Brandstore in Lindau, an der Bar in der alten Hirschapotheke, werden Gin Tonics standardmässig im Copa serviert. Das ist die Wahl für maximalen Aroma-Eindruck. Wer ausdrücklich den Tumbler will, kann das bestellen.
Bei einer Verkostung, in der mehrere Gin Tonics nebeneinander stehen sollen, kann der Tumbler sogar Vorteile haben: er nimmt weniger Platz weg. Die meisten Verkostungs-Settings nutzen aber Copas, weil die Aroma-Vergleichbarkeit besser ist.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Beim SeeGin hat Steinhauser 2014 in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt. Im Sortiment Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin, Rubo-Rum, Obstbrände, Wein, Brandy, Liköre.
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