Wer einen klassischen London Dry Gin in ein Holzfass legt und ein halbes Jahr wartet, hat hinterher keinen klassischen London Dry Gin mehr im Glas. Der Wacholder bleibt, aber das Fass legt seine eigene Schicht darüber. Eichennoten, leichte Vanille, eine warme Färbung, ein anderes Mundgefühl. Aus dem hellen Gin wird ein bernsteinfarbener Gin, der irgendwo zwischen Gin und Whisky steht.
Steinhauser hat genau diese Variante im Programm. Der SeeGin als fassgereifte Edition. Pendant zum klassischen London Dry Gin, der 2014 die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt hat. Wer den fassgereiften SeeGin nebeneinander mit dem klassischen probiert, lernt, was Eichenholz mit Gin macht.
Was fassgereifter Gin ist
Gin wird normalerweise direkt nach der Destillation abgefüllt. Anders als beim Whisky braucht Gin keine Reifezeit, um trinkbar zu sein. Die Aromen kommen aus den Botanicals, die bei der Destillation extrahiert werden, nicht aus dem Holz.
Fassgereifter Gin macht aus dieser Regel eine Ausnahme. Ein fertiger Gin wird in ein Holzfass gefüllt, oft ein gebrauchtes Fass (Bourbon, Sherry, oder bei Steinhauser eine eigene Fasstypauswahl), und dort für Monate gelagert. Das Holz gibt Aromen an den Gin ab. Vanille, leichte Eichennoten, manchmal Karamell oder Trockenfrüchte, je nach Fass-Vorgeschichte. Die Farbe verschiebt sich von klar zu hellbernsteinfarben.
Das Ergebnis ist eine eigene Spirituose, irgendwo zwischen Gin und Whisky. Wacholder ist noch erkennbar, hat aber jetzt eine andere Umgebung. Wer mit Tonic mischt, schmeckt den Wacholder durch eine zusätzliche Holzschicht.
Wie Steinhauser den fassgereiften SeeGin macht
Steinhauser nimmt den klassischen SeeGin als Basis und legt ihn in ein Holzfass. Welcher Fasstyp im Einzelfall, kann variieren. Manchmal ein Brigantia-Fass nach der Whisky-Belegung, manchmal ein anderer Fasstyp aus dem eigenen Bestand. Die Familie hat über 2000 Whiskyfässer im Lager, was ihr für Gin-Experimente einen breiten Pool gibt.
Die fassgereifte Variante wird mit 42 Volumenprozent abgefüllt, das ist etwas niedriger als der klassische SeeGin mit 48 Volumenprozent. Das ist Absicht. Bei der Fassreifung lösen sich zusätzliche Aromen, die bei zu hoher Alkoholstärke das Profil überlagern würden. 42 Volumenprozent gibt dem Gin Raum, ohne den Holzcharakter zu verlieren.
Im Mund spürt man das. Der fassgereifte SeeGin wirkt weicher als der klassische, mit mehr Mundgefühl. Eichennoten setzen sich gleich am Anfang in der Nase ab, gefolgt vom Wacholder. Beim Schluck schiebt sich das Holz nach hinten, der Wacholder bleibt im Vordergrund, aber er hat jetzt Begleitung.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn am Bodensee. Familienbetrieb mit Moritz und seinem Bruder als Nachfolge. Vater und Mutter weiter dabei. Im Team Destillateur und Kellermeister.
Im Sortiment Obstbrände, Wein (Kressbronner Berghalde), Whisky (Brigantia seit 2008, 2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin in mehreren Varianten (IWSC-Trophy 2014), Rubo-Rum (seit 2021), 20-jähriger Brandy aus dem Opa-Fass, Liköre mit Fruchtsaft.
Wacholder hat in der Familie eine eigene Tradition. Steinhauser brennt seit Generationen Wacholderschnaps. Daher der direkte Anschluss zum Gin: „Gin war für uns nichts Fremdes, weil wir seit Generationen Wacholderschnaps herstellen, und Wacholder ist die Basis vom Gin“, sagt Moritz.
Wie der fassgereifte SeeGin getrunken wird
Pur ist die Standard-Variante. Das Aromaprofil ist komplex genug, um ohne Mischer zu funktionieren. Wer den klassischen SeeGin pur trinkt, hat die Wacholder-Dominanz, die 2014 in London gewonnen hat. Wer den fassgereiften SeeGin pur trinkt, hat zusätzlich die Eichen- und Vanillenoten.
Mit Tonic geht beides. Beim fassgereiften SeeGin wirkt das Tonic ein bisschen anders. Die Holznoten geben dem Drink eine warme Dimension, die ein normaler Gin Tonic nicht hat. Wer einen Aperitif sucht, der mehr nach Whisky-Welt schmeckt, ohne ganz dorthin zu gehen, findet hier eine Variante.
Auf Eis ist der fassgereifte SeeGin nochmal anders. Die Kühle lässt die Eichennoten zurückgehen, der Wacholder springt nach vorne, das Mundgefühl wird straffer. Es ist eine gute Variante für warme Sommerabende.
Was den fassgereiften SeeGin von einem Old Tom unterscheidet
In der Gin-Welt gibt es mehrere historische Stile. Old Tom Gin (süß, oft mit Zuckerzusatz), Plymouth Gin (regional geschützt), Genever (mit Mälzwein gebrannt), London Dry Gin (trocken, ohne Zuckerzusatz nach der Destillation). Fassgereifter Gin ist keine eigene historische Kategorie, sondern eine moderne Stilrichtung.
Bei Steinhauser ist der fassgereifte SeeGin keine Imitation eines historischen Stils, sondern eine Weiterentwicklung des klassischen London Dry Gin. Die Basis bleibt der Trophy-Gin. Die Fasslagerung gibt eine zweite Identität dazu.
Mehr über den fassgereiften SeeGin, Wacholder-Tradition und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
