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Williams Schnaps richtig genießen. Bodensee-Brenner-Tipps

Wenn der Wengle im Herbst seine Williamsbirnen anliefert, geht die Maische bei Steinhauser innerhalb von Stunden in den Brennvorgang. Goldgelbe Birnen, goldgelbe Maische, am gleichen Tag verarbeitet. Was am Ende ins Glas kommt, hat eine direkte Linie zum Obstbaum, der vor der Tür steht. Beim Williams Schnaps zählt diese Frische. Aber sie zählt nur, wenn der Brand auch richtig getrunken wird. Wer einen Premium-Williams überkühlt aus dem Tiefkühler holt, schmeckt nur Eis und Alkohol, keine Birne.

Williams Schnaps richtig genießen ist keine Frage des Etiketts. Es ist eine Frage von Glas, Temperatur, Anlass und Geduld. Hier wie Steinhauser den Williams empfiehlt.

Das Glas

Schwenker, Stielglas oder Tulpenglas. Wichtig: die Öffnung verengt sich nach oben. Das sammelt die Aromen am Glasrand, sodass die Nase beim Anriechen das volle Birnen-Aroma abbekommt.

Ein gerades Schnapsglas (Cordial) funktioniert auch, ist aber weniger ideal. Die Aromen entweichen schneller, die Nase bekommt weniger ab. Bei einem einfachen Williams ist das Schnapsglas okay. Beim Gold-Willi mit Fruchtauszug-Verfeinerung lohnt sich der Schwenker.

Wichtig: das Glas sollte sauber sein, ohne Spülmittel-Rückstände und ohne andere Geruchsspuren. Eine Spülung mit klarem Wasser und ein abtrocknen mit einem aromaneutralen Tuch reicht.

Die Temperatur

Williams Schnaps soll bei 12 bis 15 Grad serviert werden. Keinesfalls eiskalt. Das ist der entscheidende Punkt, an dem viele Trinker scheitern.

Warum nicht eiskalt? Weil die Aromen sich bei Kälte verschließen. Was bei 5 Grad als nichts wahrgenommen wird, ist bei 13 Grad als klare Birnen-Linie schmeckbar. Eiskalter Schnaps schmeckt nach Eis und Alkohol, nichts dazwischen.

Wie kommt man zu 12 bis 15 Grad? Wenn der Schnaps im Kühlschrank steht, vor dem Servieren etwa zehn Minuten bei Raumtemperatur stehen lassen. Wenn er bei Raumtemperatur steht (etwa 20 Grad), zwei Minuten im Kühlschrank leicht runterkühlen.

Die Menge

Pro Person 2 cl. Mehr ist zu viel. Williams Schnaps wird nicht in größeren Mengen pro Glas getrunken, sondern in kleinen Portionen. Wer zwei Schluck nimmt und das war’s, hat das richtig gemacht.

Wer mehr trinken will, schenkt nach. Aber jeweils nur kleine Mengen. Das ist nicht Geiz, das ist Genuss-Praxis. Williams entfaltet sich in kleinen Portionen besser als in einem 4-cl-Stieger.

Der Anlass

Klassisch After-Dinner. Nach einem Essen, als Verdauungs-Drink. Williams hilft beim Magen-Schließen, vor allem nach fettem Essen.

Auch als Begleitung zu kräftigen Desserts. Bei einer Tarte Tatin oder einem Birnenkompott ergibt der Williams einen Resonanz-Effekt zwischen Speise und Glas.

Weniger als Aperitif vor dem Essen. Williams ist zu hochprozentig und zu süß für den klassischen Aperitif. Da passt eher ein trockener Wermut oder ein leichter Gin Cocktail.

Auch weniger zwischen den Mählzeiten als isolierter Drink. Williams braucht den Esskontext, sonst wirkt er aus dem Zusammenhang gerissen.

Die Verkostung

Wer den Williams ernsthaft verkosten will, geht in mehreren Schritten vor.

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Erstens anriechen. Glas schwenken, kurz an der Öffnung schnüffeln. Was kommt? Birne klar erkennbar? Frucht oder eher Alkohol?

Zweitens leicht eintunken. Mit der Zunge nur die Oberfläche berühren. Was schmeckt der Mund?

Drittens kleinen Schluck nehmen. Im Mund kreisen lassen. Wo geht das Aroma hin? In die Nase zurück? In den hinteren Mund? Im Rachen abklingen lassen.

Viertens Pause. Bevor der zweite Schluck genommen wird, zehn Sekunden warten. Damit der Mund neutral wird.

Bei einem Steinhauser Gold-Willi (mit Fruchtauszug-Verfeinerung) ist die Birne in allen Schritten klar erkennbar. Das ist der Test für einen guten Williams.

Was nicht zum Williams passt

Cola. Williams in Cola ist ein Stilbruch, der weder dem Williams noch der Cola guttut.

Kaffeebecher als Glas. Williams sollte aus einem Glas getrunken werden, nicht aus einer Tasse.

Tiefkühler-Eis als Kühlung. Das überträgt manchmal Aromen vom Tiefkühler in den Schnaps.

Eis im Glas. Williams wird nicht auf Eis serviert. Das verdünnt und kühlt ungewollt.

Zu kräftige Beilagen wie scharfe Snacks. Williams wird allein oder zu süßen, zarteren Speisen getrunken.

Wer Steinhauser ist

Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Familienbetrieb. Im Sortiment Williams Nummer 1 (Gold-Willi) als Bestseller, daneben Kirschbrand, Apfelbrand, Quittenbrand, Mirabellenbrand, Zwetschgenbrand. Dazu Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin (IWSC-Trophy 2014 zum weltweit besten London Dry Gin), Rubo-Rum, Wein, Brandy, Liköre.

Die Familie bezieht ihre Williamsbirnen vom Wengle aus dem Umkreis von Kressbronn. Erntefrisch verarbeitet, ohne Südtiroler Lieferkette.


Mehr über Williams Schnaps und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.