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Bester deutscher Whisky 2024. Die Verband-Auszeichnung

Bei einer Blindverkostung der ISW hielt ein Jury-Mitglied den Whisky in seinem Glas für einen Islay. Schottland, Westküste, Torf, Rauch. Das passt zu Laphroaig, Lagavulin, Ardbeg. Es passte nicht zu dem, was da tatsächlich im Glas lag: einem Brigantia aus Kressbronn am Bodensee, im Eilerfass vollgereift, von der Familie Steinhauser gebrannt. Moritz erzählt die Anekdote bis heute mit Genugtuung. „Das war für uns als deutscher Hersteller ein Ritterschlag.“

Was dort an Bewertungseffekt wirkte, machte sich 2024 offiziell bemerkbar. Der Verband der Deutschen Whisky-Brenner zeichnete Steinhauser als Deutschlands beste Whisky-Destillerie aus. Es war die Bestätigung einer Entwicklung, die 2008 angefangen hatte und sich über 16 Jahre Schritt für Schritt aufgebaut hat.

Was die Auszeichnung 2024 umfasst

Die Verband-Auszeichnung ist keine reine Produktprüfung. Bei klassischen Spirits-Awards wird ein Whisky blind verkostet und nach Aromen, Balance, Komplexität bewertet. Bei der Verband-Auszeichnung kommt mehr dazu. Moritz beschreibt das so: „Da ging es nicht nur darum, die Qualität vom Produkt, auch alles drum rum. Wie präsentieren wir uns für den deutschen Whisky national und international.“

In die Bewertung fallen mehrere Dinge. Die Konsistenz der Whiskys über die Jahre. Die Markenarbeit, wie eine Brennerei sich positioniert. Die Beiträge zur deutschen Whisky-Szene insgesamt, sei es über Verbandsarbeit, über Messen, über den Diskurs zur Qualität. Steinhauser hat in all diesen Bereichen Stück für Stück gearbeitet. Der Brigantia hat sich als Produkt etabliert. Die Familie tritt seit Jahren auf Whisky-Messen auf. Die IWSC-Trophy beim SeeGin 2017 hat die internationale Wahrnehmung mit aufgebaut.

Wer Steinhauser ist

Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn am Bodensee, abgelegen zwischen Apfel- und Birnenplantagen. Familienbetrieb mit Moritz und seinem Bruder als Nachfolge, Eltern weiter im Geschäft, Destillateur und Kellermeister im Team. Im Sortiment Obstbrände, Wein (Kressbronner Berghalde), Whisky (Brigantia seit 2008), SeeGin (IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin 2017), Rum (Rubo seit 2021), 20-jähriger Brandy aus dem Opa-Fass, Liköre.

Whisky brennt Steinhauser nach schottischer Methode. Das Destillat geht mit 58 bis 60 Volumenprozent ins Fass und reift mindestens drei Jahre und einen Tag. Im Lager liegen über 2000 Whiskyfässer, das älteste von 2010. 2028 könnte der erste 18-jährige Brigantia herauskommen, im selben Jahr feiert die Familie 200 Jahre Brennrecht und 20 Jahre Brigantia.

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Was deutsche Whisky-Hersteller heute können

Deutscher Whisky war lange ein Image-Problem. Moritz sagt es selber: Früher wurde deutscher Whisky abgestempelt als Whisky mit Obstbrandgeschmack. Wer einen Schritt nach hinten geht und auf die Whisky-Welt der frühen 2000er-Jahre schaut, hatte das auch seine Berechtigung. Viele Brennereien hatten ihre Wurzeln im Obstbrand und brannten Whisky in den gleichen Anlagen, mit ähnlichen Methoden, oft mit zu kurzen Reifezeiten. Was am Ende rauskam, war kein Whisky, sondern ein Destillat mit Whisky-Etikett.

Steinhauser hat das anders angelegt. Schottische Methode von Anfang an. Drei Jahre und ein Tag als Untergrenze, oft deutlich darüber. Eigene Fässer-Vielfalt mit Sherry, Eiler, Bourbon, Multi-Cask. Aus diesem Setup entstanden Whiskys, die in Blindverkostungen mit schottischen Vergleichswerten standhalten. Die ISW-Anekdote, bei der ein Jury-Mitglied auf Islay tippte, ist nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis von 16 Jahren Methodik.

Die Verband-Auszeichnung 2024 ist auch eine Anerkennung an die deutsche Whisky-Szene insgesamt. Steinhauser steht heute nicht allein. Mehrere Brennereien in Deutschland brennen mittlerweile auf einem Niveau, das international anschlussfähig ist. Was den Verband-Titel an Steinhauser geht, ist die Bestätigung einer Spitzenposition in dieser Gruppe.

Was die Auszeichnung praktisch bedeutet

Für den Brigantia hat die Verband-Auszeichnung 2024 konkrete Folgen. Anfragen aus dem Fachhandel nehmen zu, Restaurants nehmen den Brigantia ins Whisky-Programm, internationale Wiederverkäufer schauen genauer hin. Für die Familie war das auch der Anlass, den Brandstore in Lindau zu eröffnen. Wer den ausgezeichneten Whisky probieren wollte, musste bisher nach Kressbronn fahren. Seit Anfang 2026 reicht ein Gang durch die Insel-Fußgängerzone von Lindau.


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