Als der Verband der Deutschen Whisky-Brenner 2024 verkündete, wer Deutschlands beste Whisky-Destillerie ist, hieß die Antwort Steinhauser. Aus Kressbronn am Bodensee. Sechste Generation. Zwischen Apfelplantagen.
Die Auszeichnung war nicht nur für das Produkt selbst. „Da ging es nicht nur darum, die Qualität vom Produkt, auch alles drum rum“, sagt Moritz Steinhauser. Wie die Familie sich präsentiert, national und international. Wie sie ihre Geschichte erzählt. Wie sie deutschen Whisky in den Kontext stellt.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht: seit 1828. Standort: Kressbronn, abgelegen zwischen Plantagen. Familienbetrieb mit Moritz und seinem Bruder als Nachfolge, Vater und Mutter weiter im Geschäft, ein Destillateur und ein Kellermeister im Team.
Steinhauser hat zwei Themen, mit denen sie sich von anderen Bodensee-Brennereien abheben. Erstens: Sie kommen vom Obstbrand und beherrschen das alte Handwerk vom Williams bis zum Quitten. Zweitens: Sie haben das Risiko genommen, in deutsche Whisky-Herstellung einzusteigen, lange bevor das eine sichere Sache war. 2008 begann der Brigantia. Heute liegen über 2000 Whiskyfässer im Lager.
Was die Brennerei besonders macht
Wenn man fragt, was eine Bodensee-Brennerei zur besten macht, sind drei Dinge relevant: Tradition, Auszeichnungen, Spielraum.
Tradition heißt bei Steinhauser nicht nur das Datum 1828. Die Familie hatte früher auch eine eigene Küferei, hat ihre Fässer selbst gebaut. Der Meisterbrief der Vorfahren hängt noch da. Geräte und Maschinen aus der Zeit sind bei Führungen zu sehen. Brandy aus dem Sortiment reift in einem Fass, das Moritz‘ Opa selber gebaut hat. 20 Jahre alt mittlerweile.
Auszeichnungen heißt bei Steinhauser: Sie gewannen die IWSC-Trophy in London. Beim weltweit besten London Dry Gin. Bis heute der einzige deutsche Trophy-Gewinner dort. Moritz beschreibt die Trophy-Abholung als surreal. „Wir sind nach London geflogen, das war ein einmaliges Erlebnis. Räumlichkeiten wie von Harry Potter. Wir sind mit zehn Mann rübergeflogen und haben die Trophy feierlich abgeholt.“ Das war 2017. Dann kam 2024 der Verband-Titel als Deutschlands beste Whisky-Destillerie. Dazu eine ISW-Anekdote, die Moritz besonders erwähnt: Ein Jury-Mitglied bei einer Blindverkostung war sich sicher, dass der Whisky von der Insel komme. Aus Schottland. Tatsächlich war es ein Brigantia, im Eilerfass vollgereift, vom Bodensee.
Spielraum heißt bei Steinhauser: Sie machen mehr als nur einen Produkttyp. Williams, Kirsch, Quitte, Mirabelle, Apfel als Obstbrände. Wein aus der Kressbronner Berghalde. Whisky in mehreren Reifevarianten. SeeGin in einer fassgereiften und einer London-Dry-Version. Seit 2021 auch Rum, der Rubo, aus Zuckerrohrmelasse aus Guatemala. Und der 20 Jahre alte Brandy aus dem Opa-Fass. Liköre mit Fruchtsaft statt Aromen.
Warum die Region zählt
Steinhauser hätte es einfacher haben können. Williamsbirnen aus Südtirol sind verfügbar. Wein-Trauben gibt es bundesweit. Aber die Brennerei bezieht ihre Früchte aus dem Umkreis. Strohmaier aus Kressbronn liefert die Trauben für den Wein. Wengle liefert die Williamsbirnen. Die Apfelbäume stehen vor der Tür.
Das hat handwerkliche Konsequenzen. Goldgelbe Williamsbirnen geben eine goldgelbe Maische. Erntefrisch verarbeitet. Wer aus Südtirol bezieht, hat zwei, drei Tage Transport und ein anderes Ausgangsmaterial. „Wir haben den Vorteil, nicht wie manch anderer Hersteller, die Obstbäume sind vor der Tür“, sagt Moritz.
Was die Brennerei plant
2028 fallen drei Jahrestage zusammen. 200 Jahre Steinhauser. 20 Jahre Brigantia. Der erste 18-jährige Bodensee-Whisky könnte herauskommen. Im Whisky-Stadl im Kressbronner Anwesen liegt ein Bruchteil der 2000 Fässer, das älteste von 2010. Der Rest steht in einer Halle im Industriegebiet, weil im Außenbereich nicht gebaut werden durfte. Wer eine Whisky-Tour bucht, sieht beides nicht ganz, aber das wichtigste Lager. Dazu die Aroma-Bar mit einzelnen Duftproben, eine Verkostung von drei Single Malts am Ende.
Und seit Anfang 2026 gibt es den Brandstore in der alten Hirschapotheke in Lindau. Wer die Beste-Brennerei-am-Bodensee-Frage selber testen will, muss nicht mehr nach Kressbronn fahren. Es reicht ein Spaziergang in der Lindauer Insel-Fußgängerzone.
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