Als die Familie Steinhauser 2008 zum ersten Mal Whisky brannte, hatte sie zwei Probleme zu lösen. Das eine war handwerklich. Das andere war ein Name. Der erste deutsche Whisky aus Kressbronn brauchte eine Marke, die nicht klang wie eine schottische Imitation und die nicht klang wie ein Allerwelts-Produktname.
Moritz‘ Vater griff zur Bodensee-Geschichte. Brigantium ist die römische Bezeichnung für den Bodensee, genauer für den Obersee. Der Name taucht in römischen Quellen auf, als die Region noch Provinz war, und steht heute noch in Geschichtsbüchern. Aus Brigantium wurde Brigantia. Ein Name, der an die Region bindet, ohne sich als Heimat-Etikett über dem Produkt aufzuspielen.
Wer den Brigantia brennt
Brigantia ist der Single-Malt-Whisky der Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei. Sechste Generation, Brennrecht seit 1828, Standort Kressbronn am Bodensee. Whisky brennt Steinhauser seit 2008. Die ersten 111 Flaschen kamen am 11.11.2011 um 11:11 Uhr auf den Markt, von der Familie selbst abgefüllt und etikettiert, bei schottischer Dudelsackmusik im Hof. 2024 hat der Verband der Deutschen Whisky-Brenner die Familie als Deutschlands beste Whisky-Destillerie ausgezeichnet.
Der Brigantia ist heute eine Serie mit mehreren Reifevarianten. Sherry-Cask-Vollreifungen, Eilerfass-Vollreifungen (rauchig, Brigantia Peat Lake Edition), Single-Cask-Abfüllungen. Im Lager liegen über 2000 Whiskyfässer, das älteste von 2010. 2028 könnte der erste 18-jährige Brigantia herauskommen.
Was Brigantium war
Die Römer kamen unter Augustus und Tiberius in die Region. Das heutige Bregenz am Ostufer des Bodensees war ein Hauptort und hieß Brigantium. Der See selber wurde nach diesem Ort Lacus Brigantinus genannt, „der Brigantiner See“. Aus diesem lateinischen Begriff leitet sich der Name Brigantia ab.
Brigantium war kein abgelegener Posten. Die Römer haben um den Bodensee Straßen gebaut, Wein angebaut, Schifffahrt betrieben. Was heute regionale Identität ist, hat dort seine Wurzeln. Der See war nie nur Wasser, er war Verkehrsweg, Grenze, Lebensraum. Brigantium steht für diese Sicht auf den Bodensee als Knotenpunkt.
Warum die Familie diesen Namen wählte
Es hätte einfacher gehen können. Bodensee-Whisky wäre als Name verständlich gewesen, vermarktungstauglich, klar. Aber er wäre auch flach. Wer eine sechste Generation Brennrecht im Rücken hat, sucht einen Namen, der mehr trägt als nur Geografie. Brigantium liefert das. Der Name verbindet das Produkt mit einer Region, die nicht erst seit gestern eine eigene Identität hat.
Moritz erklärt die Logik nur knapp. „Brigantia steht für den Obersee, Brigantium. Das kommt aus dem Römischen“, sagt er. Das ist die ganze Begründung, die er in einer Verkostung gibt. Wer weiter fragt, bekommt mehr. Die Familie hatte sich beim Whisky von vornherein dazu entschieden, ihn nicht wie einen Obstbrand zu verkaufen. Whisky war 2008 ein Schritt aus der bekannten Bodensee-Welt heraus in eine internationale Kategorie. Brigantium gab dem Schritt einen Anker.
Was im Namen mitschwingt
Brigantia ist nicht der einzige Bodensee-Produkt-Name, der sich an der römischen Vergangenheit orientiert. Aber im Whisky-Bereich ist er charakteristisch. Wer den Namen aussprechen kann, hat einen anderen Bezug zum Produkt als jemand, der nur „Bodensee-Whisky“ liest. Es ist auch ein Schutz vor Beliebigkeit. Steinhauser ist nicht die einzige Brennerei, die am Bodensee arbeitet. Brigantia macht klar, welche.
Wer in den Brigantia-Reifevarianten unterwegs ist, trifft den Namen mit verschiedenen Zusätzen. Sherry Cask. Brigantia Peat Lake. Single Cask. Die Wortteile ändern sich, der Kern bleibt. Brigantium ist immer mit dabei.
Wer Steinhauser ist
Die Familie Steinhauser sitzt in Kressbronn am Bodensee. Sechste Generation Brennkunst. Brennrecht seit 1828. Vor dem heutigen Standort lag der Hof in Gartnau, einer Nebenortschaft, mit kleiner Brennerei, Kühen, Hennen und Landwirtschaft. Heutiger Standort: Neubau zwischen Apfel- und Birnenplantagen, im Hinterland. Im Sortiment Obstbrände, Wein (Kressbronner Berghalde), Whisky (Brigantia seit 2008), SeeGin (IWSC-Trophy 2017), Rum (Rubo seit 2021), Brandy (20-jährig im Opa-Fass), Liköre mit Fruchtsaft statt Aromen.
Wer den Brigantia probieren will, hat zwei Adressen. Kressbronn, das Ladengeschäft und die Whisky-Touren mit Aroma-Bar. Oder seit Anfang 2026 den neuen Brandstore in Lindau, in der alten Hirschapotheke an der Insel-Fußgängerzone, Grammergasse 17.
Mehr über den Namen Brigantia, über Brigantium und über die Steinhauser-Familie hören Sie im Podcast pekuu audiostories.
