Moritz Steinhausers Opa fuhr mit einem VW Typ 3 über Land. Hinten und vorne Kanister voller Spirituosen aus der eigenen Brennerei, dazwischen das, was die Gastronomen im Bodensee-Hinterland brauchten. Wenn Moritz‘ Vater als Kind Schulferien hatte, durfte er mit. Vor allem auf die Tour ins Eichgar, weil es dort etwas anderes gab als den blöden Apfelsaft, da gab es auch mal die Sinalko. Bei den Gastronomen, denen der Opa lieferte, hieß es irgendwann nur noch: „Jetzt kommt wieder der Mann mit dem Bodensee-Diesel.“
Der Name ist geblieben. Heute heißt der Apfelbrand des Hauses Bodensee-Diesel. Ein Spitzname, der eine ganze Generation und einen alten VW im Etikett mitträgt. Hier die Geschichte ausführlicher.
Die Generation des Opas
Wer der Opa genau war und welche Rolle er im Familienbetrieb spielte, gehört in die Steinhauser-Familienüberlieferung. Was klar ist: Er lieferte selber aus. Steinhauser war damals eine kleinere Brennerei, der Hof lag noch in Gartnau, der heutige Standort in Kressbronn war noch nicht gebaut. Brennen, Abfüllen, Ausliefern, alles aus einer Hand.
Im VW Typ 3 fuhr der Opa zu Gastronomen im Umkreis. Bodensee-Region, Allgäu, Voralpenland. Was er ablieferte, war das Steinhauser-Sortiment der damaligen Zeit, mit Apfelbrand als wichtigem Bestandteil. Es waren die 1960er und 1970er Jahre, eine Zeit, in der lokale Brennereien noch die Hauptlieferanten für regionale Gasthäuser waren.
Wo der Spitzname herkam
Der Spitzname Bodensee-Diesel kam von den Gastronomen. Wenn der Opa mit seinem Auto auftauchte, in dem Kanister hinten und vorne lagen, sah das aus wie ein Treibstoff-Lieferant. Was im Kanister war, war Hochprozentiges aus der Brennerei. Der Witz lag im Kontrast. Die Kinder tranken Apfelsaft oder Sinalko, die Erwachsenen tranken den Inhalt aus dem Kanister. Bodensee-Diesel als Spitzname kombinierte den See, das hochprozentige Produkt und die Auslieferung-Optik in einem Wort.
Bei Steinhauser blieb der Spitzname hängen. Heute heißt der Apfelbrand offiziell Williams Nummer 1 für den Williams, aber der Apfelbrand wird intern und nach außen als Bodensee-Diesel mitgeführt. Das Etikett auf der Flasche trägt den Spitznamen.
Was der Bodensee-Diesel im Glas ist
Apfelbrand, klassisch gebrannt, mit deutlich erkennbarem Apfel-Charakter. Klar, kräftig, mit einer leichten Säure-Linie, die das typische Apfel-Profil ergibt.
Anders als der Williams Gold-Willi, der mit Fruchtauszug verfeinert wird, ist der Bodensee-Diesel pur. Apfel und nichts anderes. Wer einen klaren, klassischen Apfelbrand will, ist hier richtig.
Wie der Williams kommt der Bodensee-Diesel von Äpfeln aus der Region. Die Plantagen liegen rings um den Standort in Kressbronn. Erntefrisch verarbeitet.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Davor lag der Familienhof in Gartnau. Familienbetrieb mit Moritz und seinem Bruder als Nachfolge.
Im Sortiment Obstbrände (Williams Nummer 1, Bodensee-Diesel, Kirschbrand, Mirabellenbrand, Zwetschgenbrand, Quittenbrand), Wein aus der Kressbronner Berghalde, Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin (IWSC-Trophy 2014), Rubo-Rum, 20-jähriger Brandy aus dem Opa-Fass, Liköre.
Was die Familiengeschichte für das Produkt bedeutet
Der Bodensee-Diesel ist ein Beispiel dafür, wie Familien-Anekdoten in eine Marke eingeflossen sind. Wer eine Flasche kauft, kauft nicht nur Apfelbrand, sondern auch ein Stück Familienüberlieferung. Der Opa, der mit dem VW Typ 3 über Land fuhr. Der Vater, der als Kind mitfuhr. Die Gastronomen, die den Spitznamen erfunden haben.
Diese Schichten machen den Bodensee-Diesel zu mehr als einem Apfelbrand. Sie sind auch Teil dessen, was Moritz bei Führungen erzählt, wenn jemand nach dem Namen fragt.
Mehr über den Bodensee-Diesel, den Opa und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
