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Steinhauser Alte Bodensee Hausbrennerei & Weinkellerei

Vor dem Ladengeschäft der Brennerei Steinhauser in Kressbronn liegen die Reben der Kressbronner Berghalde direkt im Blickfeld. Dahinter Apfel-, Birnen- und Erdbeerplantagen. Auf der anderen Seite ein Holzstadl, über hundert Jahre alt, aus dem von morgens bis abends die Kressbronner Blasmusik tönt, damit der Whisky im Inneren nicht allein ist. Drumherum Zypressen, Moritz Steinhauser nennt das „toskanisches Flair“.

Das ist die Brennerei Steinhauser im Jahr 2026. Wer hierher kommt, kommt nicht zufällig. Kressbronn liegt am Bodensee, aber die Brennerei steht abgelegen, „im Hinterland“, wie Moritz selber sagt. Zwischen Plantagen. Nicht zentral. Wer das Schild sieht, hat schon vorher gewusst, dass er hierher will.

Wer Steinhauser ist

Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht der Familie: seit 1828. Heutiger Standort: ein Neubau, von Moritz‘ Eltern errichtet, im Ortsteil Kressbronn. Davor lag der Hof in Gartnau, einer Nebenortschaft. Damals waren ein paar Kühe und Hennen dabei, eine Landwirtschaft, eine kleine Brennerei. Heute ist nichts davon mehr da. Was geblieben ist: das Recht zu brennen und die Idee, das ernsthaft zu machen.

Moritz Steinhauser und sein Bruder führen die Brennerei heute zusammen mit den Eltern. Im Team ein Destillateur, ein Kellermeister, dazu die Mutter, die die Buchhaltung macht. Eine Familienfirma, in der alle per du sind. Der Bruder kümmert sich um Zoll und Vertrieb, Moritz um Marketing und Einkauf. Der Vater steht weiter mit an der Brennblase, wenn etwas Neues entsteht.

Was Steinhauser brennt

Steinhauser ist breiter aufgestellt als die meisten deutschen Brennereien. Die Familie kommt vom Obstbrand. Daher gibt es nach wie vor die klassischen Williams, Mirabellen, Kirsch, Apfel und Quitte. Bestseller ist der Williams Nummer 1, intern auch Gold-Willi genannt, mit Fruchtauszug verfeinert.

Dazu kam Wein: die Kressbronner Berghalde, gekeltert aus Trauben, die Vertragswinzer wie Strohmaier aus dem Ort direkt vor der Tür liefern. „Wir müssen die Früchte nicht aus Südtirol beziehen“, sagt Moritz. „Die Obstbäume sind vor der Tür.“ Williamsbirnen kommen vom Wengle aus dem Umkreis. Goldgelbe Birnen, goldgelbe Maische, erntefrisch verarbeitet.

2008 begann Steinhauser mit Whisky. Brigantia. Heute liegen über 2000 Whiskyfässer im Lager, ein Teil davon im Whisky-Stadl auf dem Anwesen, der größere Teil in einer Halle im Industriegebiet, weil im Außenbereich nicht gebaut werden durfte. 2014 kam der SeeGin. 2017 reisten Moritz und Kollegen vom Sliis „auf Rumreise“, um zu schauen, wie Rum hergestellt wird. Seit 2021 brennt Steinhauser auch das, mit Zuckerrohrmelasse aus Guatemala als Rohstoff. Dazu kommen Liköre mit Fruchtsaft statt Aromen und ein 20 Jahre alter Brandy, der in einem Fass gereift ist, das Moritz‘ Opa selber gebaut hat.

Was die Brennerei auszeichnet

Steinhauser hat zwei Auszeichnungen, die international zählen. 2014 reichte die Familie ihren SeeGin bei der IWSC in London ein. Sie gewannen die Trophy zum weltweit besten London Dry Gin. Bis heute sind sie der einzige deutsche Trophy-Gewinner in dieser Kategorie. 2024 kam die zweite große Anerkennung: Der Verband der Deutschen Whisky-Brenner zeichnete Steinhauser als Deutschlands beste Whisky-Destillerie aus. Da ging es nicht nur ums Produkt, sondern auch um die Präsentation national und international.

Dazwischen ein Moment, der die Familie laut Moritz besonders gefreut hat. Bei einer Blindverkostung der ISW sagte ein Jury-Mitglied, er sei sich ziemlich sicher, dass dieser Whisky von der Insel komme. Gemeint war Islay. In Wirklichkeit war es ein Brigantia, im Eilerfass vollgereift, vom Bodensee. Moritz nennt das einen Ritterschlag.

Was es vor Ort zu sehen gibt

Die Brennerei bietet Whisky-Touren an. Wer eine bucht, geht durch die Hallen, sieht die Brennblase, das Fasslager im Whisky-Stadl, die alten Geräte der früheren Küferei (Steinhauser hat seine Fässer einmal selbst gebaut, mit Meisterbrief der Vorfahren), und kommt am Ende an die Aroma-Bar. Dort steht eine Reihe einzelner Düfte, Nougat, Rauch, Vanille und so weiter. Daneben ein Whiskyglas. Wer dran riecht und parallel an einer Nougat-Probe, lernt seinen eigenen Geruchssinn neu kennen. Drei Single Malts werden zum Abschluss verkostet.

Seit Anfang 2026 gibt es zusätzlich den Brandstore in Lindau, in der alten Hirschapotheke, Grammergasse 17. Dort kann man die Produkte verkosten, ohne nach Kressbronn fahren zu müssen. Für Steinhauser ist das ein Schritt aus dem Hinterland in die Stadt.


Mehr über die Brennerei Steinhauser, sechs Generationen Familiengeschichte und den Bodensee-Whisky Brigantia hören Sie im Podcast pekuu audiostories.